Moderne Techniken

Das Geheimnis optimaler Sehqualität:
Die „apodisierte, asphärische Diffraktionsoptik“

Herkömmliche Multifokallinsen basieren entweder auf dem Prinzip der Lichtbrechung
(Refraktion) oder der Lichtbeugung (Diffraktion). Während bei der Refraktion die Lichtstrahlen beim Passieren einer glatten, kontinuierlichen Linse zu einem festen Brennpunkt hin gekrümmt werden, funktioniert die Diffraktionsoptik über kleine kreisförmige Stufen auf der Linsenoberfläche, deren Abstand zum Rand der Linse hin schmaler wird. An diesen Stufen wird das einfallende Licht gebeugt – ähnlich wie Wasserwellen, die auf ein Hindernis treffen. An den Punkten, an denen sich die resultierenden Lichtwellen wieder schneiden, entstehen scharfe Bilder – also mehrere Bereiche des scharfen Sehens.

Moderne Multifokallinsen kombinieren erstmalig refraktive und diffraktive Optikbereiche und optimieren die Sehqualität darüber hinaus über die so genannte Apodisierung!
Unter Apodisierung versteht man die mikrofeine, graduelle Abnahme der diffraktiven Stufenhöhe zum Rand der Linse hin – dies schafft einen weichen Übergang zwischen Nah- und Fernbrennpunkten und verringert unerwünschte Lichtsensationen auf ein Minimum.

Störende Effekte herkömmlicher diffraktiver Multifokallinsen wie erhöhte Blendempfindlichkeit, Lichthöfe, schlechtes Kontrastsehen und verminderte Nachtsicht werden so minimiert: Bei früheren Modellen traf ein Lichtstrahl auf eine der Stufenkanten, wurde aufgefächert – es kam zu Streueffekten, 20 Prozent des einfallendes Lichtes gingen auf diese Weise verloren.

Mit der Apodisierung werden diese Streueffekte minimiert und die Lichtausbeute auf über 90 Prozent gesteigert – das bedeutet für den Patienten die Reduzierung evtl. Nebeneffekte wie Lichthöfe, Blendempfindlichkeit und Nachtsichtprobleme auf ein Minimum.

Die neueste Generation von Multifokallinsen gleicht darüber hinaus „sphärische Abberationen“ aus – Effekte, die sogar im normalen Augen auftreten. Die älter werdende augeneigene Linse wird im Volumen dicker, auch die Hornhaut verändert ihre Oberflächeneigenschaft im Verhältnis hierzu. Bei herkömmlichen Kunstlinsen wurde dieses Verhältnis nicht berücksichtigt: Strahlen am Randbereich der Linse wurden stärker gebrochen und daher nicht exakt in einem Bildpunkt auf der Netzhaut gebündelt. Das asphärische Linsenmodell optimiert die Bündelung der Lichtstrahlen und bietet daher eine optimale Kontrast- und Tiefenschärfe – eine Sicht „in Hochauflösung“.

Sphärische Aberration Asphärische Korrektur

Aufgrund der hervorragenden Sehqualität, die asphärische Kunstlinsen ehemaligen Katarakt-Patienten bieten, wurde beispielsweise die ReSTOR® Linse der Firma Alcon inzwischen von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA auch für die Therapie von reinen Fehlsichtigkeiten zugelassen.

Die ReSTOR-Multifokallinse vereint refraktive optische Zonen im Randbereich der Linse mit einem diffraktiven Bereich in der Linsenmitte. Das Linsenmaterial ist flexibel und hat sich in über 30 Millionen Implantationen als sehr gut verträglich erwiesen. Während der Operation wird die Linse im gefalteten Zustand in das Augeninnere eingeschoben. Dort entfaltet sie sich sanft und wird mit Hilfe kleiner elastischer Bügel verankert. 

 

 

 

 

 

Die Stufenhöhe nimmt von zentral 1,3 µm auf 0,2 µm am Rand hin ab. Das entspricht ungefähr einem sechzigstel Durchmesser eines Haares oder einem siebtel Durchmesser eines roten Blutkörperchens.